Erinnerung: Ruedi Reich
Feiner Humor und Selbstironie
Sigi Feigel war ein Mensch, den man gern zum Freund hatte, ein Mensch, der bis in die Tiefen seines Wesens geprägt war vom Eintreten für Recht und Gerechtigkeit. Dezidiert hat er darum die Anliegen der Zürcher Juden und der Schweizer Juden in der Öffentlichkeit und bei den Behörden vertreten. Sigi Feigel war aber auch ein Mensch, welcher in umfassender Weise für Toleranz, Verständigung und Respekt vor Minderheiten eintrat. Es ist mit sein Verdienst, dass es in Zürich ein so gutes Verhältnis gibt zwischen jüdischen und christlichen Gemeinschaften. Sigi Feigel war ein Mann, der sich auch für junge Menschen einsetzte, einer, der eintrat für die Zukunft unseres Landes, welchem er etwas mehr Toleranz und Offenheit wünschte. Und dann war da Sigi Feigels feiner Humor, welcher mich immer wieder beeindruckte und ermutigte. Er gab zu erkennen, dass religiöse Traditionen, so gross ihre Bedeutung auch ist, nie das Letzte, sondern immer nur das Vorletzte sein können. Sein Humor und seine Selbstironie gründeten in dieser tiefen Einsicht. Auf dem Hintergrund alles historisch Gewachsenen innerhalb der Religionsgemeinschaften, war es für ihn der Eine und Ewige, welcher Quelle der Menschlichkeit und Quelle der Hoffnung ist. Gut, nun auch Sigi Feigel bei ihm aufgehoben zu wissen.
Ruedi Reich, Kirchenratspräsident der Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich
© Das Jüdisches Wochenmagazin TACHLES

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