Erinnerung: Michael Kohn

Seine Arbeit fortsetzen

Sigi Feigel ist tot. Wer kannte ihn nicht, wer weiss nicht, wofür sein Name steht: Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus, gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Intoleranz. All dies und vieles mehr wird in diesen Tagen in warmherzigen Nachrufen mit einmaligem Respekt und Mitgefühl gewürdigt. Sigi Feigels Appell, seine Botschaft an die Aussenwelt sind bekannt: die Demokratie fördern, die Minderheiten schützen, die Menschenwürde respektieren. Er hatte aber noch eine zweite, nach innen und an die jüdischen Mitbürger gerichtete Botschaft, die ich als sein Weggefährte über 60 Jahre und trotz manchen Differenzen mit ihm teilte und die uns auf parallelen Wegen geistig sehr nahe brachte: den Appell an die Öffnung, die Abkehr von der Ghetto-Mentalität, die Überwindung der Lethargie und des Defensivdenkens. Ob es um die gemeinsame Belebung der jüdischen Studentenschaft nach dem Weltkrieg ging oder um die Reaktivierung des SIG nach einer Periode der Stagnation, ob es sich um das koordinierte Zusammengehen während der Kampagne um den Antirassismus-Artikel oder um die gleichgerichtete Haltung in der Holocaust-Debatte handelte: Immer lag dem politischen Wirken Sigi Feigels der unterschwellige Aufruf an die jüdische Gemeinschaft zugrunde, seine Arbeit zu unterstützen: durch die Begegnung mit Mitbürgern, dem interkulturellen Dialog, die Beteiligung am säkularen Geschehen in Staat und Gesellschaft. «ICZ heisst Mitmachen» war die Devise, die Feigel als ICZ-Präsident jahrelang verkündete. Jetzt macht er nicht mehr mit. An den Hinterbliebenen ist es, seine Arbeit fortzusetzen.

Michael Kohn, Komitee für Menschenwürde